#KunstIstKeinGedöns / #KultBlick

Dieser Post ist ein Beitrag zur #Blogparade des Archäologischen Museums Hamburg zum Thema #KultBlick.

Ich bin beruflich nicht in einer oder für eine Kulturinstitution tätig, aber Kunst & Kultur gehören einfach zu meinem Leben bzw. wenn beides nicht ausreichend Raum bekommt – dann fehlt einfach etwas.  Irgendwie gilt für mich #KunstIstKeinGedöns.

Das war auch Anlass dafür, das Blog #DieNaturDerDinge zu starten, denn mich interessiert gerade die Kombination der Themen Kunst, Kultur und Digitales.

Allein wie schaffe es, hier dran zu bleiben, präsent zu sein, Relevantes zu erfahren und meine Gedanken einzubringen? Wie sichere ich mir die Zeit dafür? In einem dichten Alltag? In einem persönlichen Umfeld, wo Digitalisierung wie Kultur teils total großen, teils gar keinen Raum einnimmt? Der #KultBlick ist da ein willkommener Anlass für Reflexion, Selbstktitik und Ausblick für meinen eigenen Zugang. Schon deshalb vielen Dank für diese Initiative.

Am Anfang steht hier die ganz persönliche Frage:  Was ist für mich Kultur?

1. Kultur als gesellschaftliche Basis des Zusammenlebens

Was sagt Wikipedia dazu? Zitat:

„Kultur (von lateinisch cultura ‚Bearbeitung‘, ‚Pflege‘, ‚Ackerbau‘) bezeichnet im weitesten Sinne alles, was der Mensch selbst gestaltend hervorbringt, im Unterschied zu der von ihm nicht geschaffenen und nicht veränderten Natur. Dagegen bezeichnet Helman [1] mit Kultur einen engeren Begriff, nämlich ein System von Regeln und Gewohnheiten, die das Zusammenleben und Verhalten der Menschen leiten.“

Ein Begriff – mehrere Deutungen und für mich haben beide etwas. Kultur als Gegenstück zu Natur.  Wie Kultur als Basis für menschliches Zusammenleben. Und das in seinem Wandel. Mehr denn je. Schneller. Kontinuierlich. Kultur hat damit etwas mit jeder/jedem Einzelnen zu tun, aber auch mit allen zusammen und dem persönlichem Umgang miteinander. Sie ist Verständigung als Basis für Gesellschaft unterhalb von rechtlicher Fixierung. Kultur in diesem Sinn unterliegt Wandel – wird ständig evaluiert. Muss vermutlich kontinuierlich ausgehandelt werden, muss für mich offen bleiben für andere Kulturkreise und Erfahrungen. Und für gesellschaftliche Entwicklungen. Das stellt wiederrum gerade im Kontext von Digitalisierung, Vielfalt und Globalisierung Anforderungen.  Schlagworte sind für mich –  Lernkultur.  Diskussionskultur. Kultur der Offenheit. Veränderungskultur. Fehlerkultur.

2. Kultur als Chance für Kontemplation und Selbstverortung 

Ich bin hin und her geschwankt, ob 2. oder 3. gedanklich erst kommt.  Entschieden habe ich mich für 2. , denn Ausgangspunkt für Gesellschaft ist für mich erst einmal das Individuum und daher wollte ich erst in den Blick nehmen, was Kultur mit der /dem Einzelnen macht. Und gehe dabei von mir aus.  Bei Kultur denke ich an Orte, an denen ich Kunst erfahre. Mich daran erfreue. Aus meinen üblichen Denk-  und Handlungsmustern einmal heraus trete. Sinne aktiviere – vor allem genau hinsehe, neue Perspetiven erhalte oder genau hin höre oder beides – wie beim Ballett.

Kultur und eigener künstlerischer Ausdruck gehören für mich hier zusammen. Ich finde,  man muss hier nicht unbedingt erst „Profi sein“, sondern darf manchmal einfach etwas tun. Medium ist hier für mich insb. Fotografie. Ich freue mich darüber und finde es spannend, wenn völlig unterschiedlichen Menschen z.B. ein eingestelltes Foto gefällt. Fotografie ist hier für mich Kommunikation jenseits von Sprachbarrieren.

Hier kommen Kunst und Kultur für mich unmittelbar zusammen.

3. Kultur als Plattform für gesellschaftlichen Diskurs 

Kultur bringt Menschen zueinander – analog in persönlicher Begegnung aber auch im digitalen Austausch in sozialen Medien.  Ich finde es erstaunlich wie erfreulich, dass immer noch der Wunsch besteht, gemeinsam in eine Ausstellung zu gehen oder Veranstaltungen wie lit. Cologne oder auf der Frankfurter Buchmesse begehrt sind. 2017 war hier aus meiner Sicht beispielhaft, da sich die Documenta in ihrem 5 Jahres Rhythmus und zum 5. mal seit 1977 die Skulptur Projekte Münster und damit Kunst- und kulturinteressierte Menschen im öffentlichen Raum trafen. Für mich war das Anlass genug, beide Events zu besuchen – kurioser Weise hatten meine #BesteFreundin und ich uns gegenseitig Tickets für das eine und das andere Event geschenkt. So ging s erst nach Münster und dann nach Kassel – schöne Story und warum darüber schreiben? Weil schon das den verbindenden Charakter von Kunst zeigt – Menschen bleiben bzw. kommen in Kontakt. Analog. Und nach meiner Wahrnehmung der ebenfalls wahrnehmbaren Individualisierung durch Digitalisierung zum Trotz.

Aber es geht auch verstärkt online. Ich finde es erst einmal spannend, dass sich auch hier Beziehungen ergeben. Und sich auch hier offenbar, das gemeinsame Schauen verbreitet. Aber auch das gemeinsame Diskutieren wie in Twitterchats.

Kunst und Kultur schafft hier Zugang zu anderen Lebenswelten und Austausch darüber.

4. Kultur als Bildungsort

Wenn Menschen – und seien es nur einige – sich gerne mit Kunst & Kultur beschäftigen, in Museen oder Theater gehen, sich dort wohlfühlen, sich daran erfreuen, kann das auch ein Ansatz sein dafür, sie als Lernorte zu etablieren?

Wen erreiche ich hier gut? Wen garnicht? Was kann hier genutzt oder geändert werden? Was ist, wie es ist und ok? Erreiche ich nur traditionell Kulturinteressierte – Anfang fünfzig, eher weiblich, wirtschaftlich abgesichert?
Ich bin hier noch in der Meinungsbildung.  Wenn diese Zielgruppe mit diesem Bildungsansatz erreicht wird, ist das ja schon einmal Gewinn. Muss ich unbedingt auch andere z. B.jüngere Zielgruppen erreichen wollen? Was ist da wirklich möglich? Oder komme ich hier besser anders in Kontakt? Wo schade ich mir, wenn ich alle gleich ansprechen will? Muss Diversität noch stärker in einer zielgruppenporientierten Angebotsvielfalt abgebildet werden?

In diesem Sinne ist dieser Beitrag bewusst nicht professionell Kunst- bzw kulturwissenschaftlich gegengecheckt, sondern erst einmal einfach die Sicht einer Interessierten, eines regelmäßigen Gastes, einer Besucherin, vielleicht einer Kundin?

Auch #Kultblick ist eine Chance, sich mal wieder Gedanken zu Kunst & Kultur zu machen, Gewünschtes und Mögliches abzugleichen und Positionen zu entwickeln.  Auch dafür herzlichen Dank. Ich bin gespannt auf die Beiträge und wünsche mir schnell Zeit und Ruhe sie alle zu lesen. Nun hat es aber erst einmal auch mein Beitrag noch vor dem 22.  geschafft 😉 .

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7 Antworten auf “#KunstIstKeinGedöns / #KultBlick”

  1. Der Beitrag hat mir sehr gut gefallen.
    Gerade in der heutigen schnelllebigen Zeit sind viele auf der Suche…
    Von den Mediem übersättigt , entsteht schnell Langeweile , Unzufriedenheit, Leere , Depression.
    Der Blick auf Kunst – Kultur in seiner Vielfältigkeit, kann neue Wege öffnen – für Leben – Freude und Glück.
    Nicht in jedem Elternhaus werden dafür die Grundlagen weitergegeben.
    Deshalb wäre es ganz wichtig, bereits im Kindergarten den Blick dafür zu schärfen.
    Freude an Kunst- Kultur gehört zu jedem Leben.

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  2. Liebe Kordula,

    hach, allein dein Titel ist herrlich „Kultur ist kein Gedöns“ – ich finde deinen #KultBlick als Interessierte einfach richtig! Ja, für wen machen Museen was und hilft da das Gießkannenprinzip mit ein paar wenigen Aktionen die Masse ansprechen zu wollen? Ich bezweifle das sehr stark. Umso wichtiger sind deine Gedankengänge dazu, Impulse für Kulturschaffende zu differenzieren. Für die Kulturpolitik zu erkennen und Taten folgen zu lassen, dass Kultur eine Gesellschaft zusammenschweißen kann, auch wenn sie bunt zusammengewürfelt ist. Gerade hier kann Kultur wertvolles leisten, wenn man die Perspektive des anderen mal annimmt.

    Also, merci! Ich melde mich erst jetzt, da die Blogparade mich doch sprachlos machte, über 82 Beiträge gingen ein und ja, ich komme kaum hinterher. Erfreue mich aber daran, jetzt alles entspannt nachzulesen!

    Herzlich,
    Tanja

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    1. Liebe Tanja, herzlichen Dank für diese Rückmeldung. Bestärkt mich in meiner Entscheidung, mich hier einzubringen obwohl ‚nicht vom Fach‘. Ich komm leider erst in den nächsten Tagen dazu, ‚in Ruhe‘ die Beiträge zu lesen. Echt toll so viele und vielfältige Beiträge. Bin gespannt, wie es weitergeht, ob gestartete Diskussion sich vertieft. Oder gibt es dafür schon Pläne? Aber jetzt erst mal innehalten, mal durchpusten und freu dich über die Resonanz. Viele Grüße Kordula

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